"Während über 'Nachhaltigkeit' schon viel nachgedacht worden ist,
ist das Verständnis von 'Strategie' in diesem Zusammenhang kaum hinterfragt.
Hier verbirgt sich ein großes politisches Defizit."

Volker Hauff, Vorsitzender des Rats für Nachhaltige Entwicklung:
Vortrag zur Vorstellung der Nachhaltigkeitsstrategie
'Zukunftsfähiges Schleswig-Holstein' am 29.01.2004 (Redemanuskript)

Für eine Politik im Sinne der Nachhaltigkeit
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Das Leitbild der Nachhaltigkeit ist zu einem Schlüssel geworden, die gegenwärtigen globalen Krisen zu meistern – vom Klimawandel, der Übernutzung vorhandener Ressourcen und der Gefährdung der natürlichen Lebensgrundlagen bis hin zu den unkontrollierten Finanzmärkten und dem Mangel an Regulierung der Weltwirtschaft, von der Verelendung in den Ländern des Südens bis hin zur Zerstörung des sozialen Zusammenhalts der Gesellschaften. Politik ist an ihrer Zukunftsfähigkeit zu messen. Was notwendig ist, wohin wir steuern müssen, darüber wissen wir viel.

Aber wir stehen vor der Frage: Wie können wir das alles ändern? Wir brauchen eine politische Strategie der Nachhaltigkeit, müssen uns über die konkreten Ziele und politischen Instrumente verständigen, können ohne die gesellschaftlichen Machtverhältnisse zu verändern und die Menschen zu überzeugen eine Politik im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung nicht durchsetzen.

Deshalb beschäftige ich mich in erster Linie mit den politischen Institutionen und Prozessen, die für eine Politik der Nachhaltigkeit notwendig sind. Denn meine Erfahrung als der für Nachhaltigkeit zuständige Referatsleiter im Bundesumweltministerium hat mit gezeigt, dass ohne eine "Nachhaltigkeits-Governance" die Herausforderungen nicht bewältigt werden können. Erforderlich sind klare Ziele und ihre Überprüfung, eine Überwindung partikularer Interessen und eine Einhegung der Ressortkonkurrenz. Dies bedarf politischer Führung und gesellschaftlicher Partizipation. Hier hat es mit der Formulierung von Nachhaltigkeitsstrategien in Bund, Länder und Gemeinden bereits Ansätze zu einem Wandel in den Formen der Politik gegeben, der in der Nationalen Nachhaltigkeitsstrategie, insbesondere im Fortschrittsbericht 2008, und in der Rolle des Rates für Nachhaltige Entwicklung (RNE) deutlich wird.

Diesen Problemen bin ich mit einer Analyse der Grundzüge der Nationalen Nachhaltigkeitsstrategie (Stand Ende 2007) und verschiedenen Texten zu Governance-Fragen nachgegangen: einer Kritik der Performance der Bundesregierung auf einem Workshop des Rates für Nachhaltige Entwicklung, der dokumentiert ist; außerdem in Vorträgen zur Integration von Nachhaltigkeitspolitik in Stadt, Land und Bund sowie zu den Perspektiven der Stärkung des Nachhaltigkeitsprozesses durch die Umweltverbände. Im Jahre 2007 nahm ich als deutscher Vertreter an einem Peer Review der niederländischen Nachhaltigkeitspolitik teil; 2009 beriet ich den RNE beim internationalen Review der deutschen Nachhaltigkeitsstrategie. In einem Aufsatz habe ich die Bedeutung des Ansatzes nachhaltiger Politik für die Bewältigung der gegenwärtigen Krisen hervorgehoben.

In zwei Punkten beschäftige ich mich weiterhin mit Fragen der nachhaltigen Entwicklung: im Rahmen meiner Arbeit im Beirat für Nachhaltigkeit des Landes Brandenburg, und im Themenbereich der vertikalen Integration zwischen Bund, Ländern und Kommunen.